His­to­rie

Klingenthaler Geigenbau

Im Jahre 2016 begeht die Musikstadt Klingenthal das 300-jährige Gründungsjubiläum ihrer Geigenmacher-Innung. Am 24. Januar 1716 fand mit einer konstituierenden Sitzung die Gründung statt. Für Klingenthal war dies der Beginn einer bis heute währenden Tradition des Musikinstrumentenbaus welcher maßgeblichen Anteil am weltweiten Ruf unserer Musikstadt hat und bis in die Gegenwart hinein jährlich zahlreiche Gäste zu kulturellen Ereignissen anlockt.

Dem vorausgegangen war ein verhältnismäßig kurzes Antragsverfahren, das jedoch eine Besonderheit beinhaltet, welche die Bedeutung des Geigenbaus als ein außergewöhnliches Kunsthandwerk unterstreicht: Am 17. Dezember 1715 berichtete der Amtsmann von Vogtsberg dem Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz, dass vier Geigenmacher zu Klingenthal „nahmentlich Hannß George Ludewig, George Caspar Hopff, Johann George Dörffler und George Friedrich Hopff“ um die Erlaubnis für die Gründung einer eigenen Innung in Klingenthal baten.

Aufgenommen werden sollte zudem eine Meisterwitwe. Deren verstorbener Ehemann Johann Michael Hopff hatte sich für die Gründung der Innung maßgeblich eingesetzt. Nur vier Wochen später, am 20. Januar 1716 bestätigte der Herrscher die Innungsartikel und am 24. Januar 1716 fand schließlich der Gründungskonvent statt. Grundsätzlich war die Gründung einer Zunft (sächsisch: Innung) lediglich für in Städten angesiedelte Handwerker mit Bürgerrechten erlaubt.

Klingenthal aber hatte damals kein Stadtrecht und so gewährte Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz die Gründung der Innung gewissermaßen den Bewohnern eines Dorfes! Doch die Geigenmacher verstanden sich nicht als Handwerker, sondern in den historischen Quellen ist zumeist die Rede von der „Kunst“ des Geigenbaus. In den Innungsartikeln schwang dieser Stolz mit: Eine Meistergeige – bis heute ein exklusives Instrument, sollte vom Holzzuschnitt über die Verarbeitung bis zur Lackierung aus ein und derselben Werkstatt stammen – also „gänzlich verfertigt“ sein.

Der Verkauf von sogenannter „Weißware“, also unlackierter Rohgeigen war verpönt und laut Artikel 11 ausdrücklich unter Strafe gestellt. Artikel 8 verbot bereits das Haussieren – die Geigenmachermeister sollten ausschließlich an seriöse Geigenhändler verkaufen. Nach Klingenthal gekommen war das Wissen über die Kunst des Geigenbaus durch überwiegend protestantische Exulanten, welche in Folge des Dreißigjährigen Krieges und der daraus resultierenden Rekatholisierung Böhmens ihre Heimat verließen und in Sachsen siedelten.

Für den Klingenthaler Geigenbau wird der Name der Familie Hopf (auch: Hopff) auch zu einem gleichnamigen bis heute gefragten Instrumententypus, an dessen Bauart sich viele weitere Geigenmacher anlehnten. Doch auch andere Geigenmachermeister und -dynastien machten sich um den guten Ruf Klingenthaler Instrumente verdient: Dörffel, Schlosser, Übel, Goram oder auch Meisel fertigten Instrumente von ausgezeichneter Qualität. Dazu beigetragen hat damals auch die sorgfältige Auswahl des Holzes: Fichtenholz für die Decke und Ahornholz für den Boden wurden in den Höhenlagen rund um das Klingende Tal geschlagen. Sogenanntes Tonholz (Klangholz) und präzise Verarbeitungen dieses Rohstoffes waren die Grundsteine qualitativ hochwertiger Instrumente, deren Ruf bis heute in die Welt klingt.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann in Klingenthal bekanntlich der Aufschwung der Mundharmonika- und wenig später der Handharmonikaproduktion. Als Zulieferer in Heimarbeit oder Fabrikarbeiter bedurfte es weder einer vierjährigen Lehrzeit noch teuren Lehrgelds – den Geigenmachern ging der Nachwuchs aus, selbst aus den eigenen Reihen. Am 9. Januar 1887 schließlich wurde die Geigenmacherinnung Klingenthal aufgelöst.

Text: Xenia Brunner, Leiterin Musik- und Wintersportmuseum, Klingenthal, 2016